Der 8. März, der Internationale Weltfrauentag, rückt weltweit die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und gleichberechtigter Teilhabe ins Bewusstsein. Dieser Tag macht auch sichtbar, welchen Beitrag Frauen in allen Bereichen des Gesundheitswesens leisten – so auch am Pyhrn‑Eisenwurzen Klinikum (PEK) und in der gesamten Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG). Mit einem Frauenanteil von 77 % und einem Frauenanteil von rund 55 % in Führungspositionen zeigt die OÖG deutlich, dass Frauen nicht nur das Rückgrat der Versorgung bilden, sondern auch maßgeblich Führungsverantwortung übernehmen.
Dass Frauen heute in vielen Bereichen selbstverständlich mitgestalten, ist auch jenen zu verdanken, die früh vorangegangen sind. Eine von ihnen ist Univ.-Prof.in Prim.a Dr.in Gabriele Baumann. Sie leitet das Institut für Medizinisch‑Chemische Labordiagnostik am Pyhrn‑Eisenwurzen Klinikum Steyr und das Zentrallabor am Standort Kirchdorf und steht damit für fachliche Exzellenz, Beständigkeit und eine Haltung, die vielen Kolleginnen und Kollegen Orientierung gibt und als Vorbild gilt.
Seit zwei Jahrzehnten steht Univ.-Prof.in Prim.a Dr.in Gabriele Baumann, MSc, MBA an der Spitze des größten Labors innerhalb der OÖG‑Regionalkliniken und zählt damit zu den ersten Frauen, die in der Labormedizin der OÖG eine Führungsfunktion dieser Größenordnung übernommen haben. Bereits von 2013 bis 2016 war sie zudem Ärztliche Direktorin des damaligen LKH Steyr und wechselte anschließend gemeinsam mit Günther Dorfinger an die Spitze des gespag‑Diagnostikverbundes, der für die Abstimmung und Koordination der Labore und Pathologien innerhalb der Holding zuständig war. In dieser leitenden Funktion war Prof.in Baumann bis zum Frühjahr 2025 tätig.
In den 20 Jahren ihrer Leitungsfunktion des Labors in Steyr entstanden 63 wissenschaftliche Publikationen – ein beachtliches Werk, das ihren fachlichen Anspruch unterstreicht. Besonders am Herzen liegt ihr zudem die Förderung junger Medizinerinnen und Mediziner. Zwei Fachärzte aus ihrem Team haben habilitiert, einer von ihnen ist inzwischen selbst Primar.
Neben ihren zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und Fachbüchern veröffentlichte sie auch weitere Bücher und stellt damit ihre persönliche Vielfältigkeit unter Beweis. Eines ihrer aktuellen Werke, „Das Tagebuch eines Leutnants“, widmet sich den Aufzeichnungen eines im Ersten Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft gekommenen Leutnants und fasst dessen persönliche Erlebnisse und Gedanken eindrucksvoll zusammen.
Zentrale diagnostische Säule des Klinikums – 3 Mio. Analysen jährlich
Rund drei Millionen Analysen werden durch das Team von 44 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (davon fünf AkademikerInnen) am Standort Steyr und 12 MitarbeiterInnen am Standort Kirchdorf an 365 Tagen im Jahr erstellt. Diese reichen von klassischen Routineparametern bis hin zu hochspezialisierten Verfahren wie Molekularbiologische Untersuchungen, spezielle Gerinnungsdiagnostik, Autoimmunserologie oder der umfassenden Leukämiediagnostik. Damit ist das Institut unter der Leitung von Prof.in Baumann ein unverzichtbarer Pfeiler des Pyhrn-Eisenwurzen Klinikums und der regionalen Gesundheitsversorgung.
Mit der beeindruckenden Bandbreite an Untersuchungen leistet das Institut einen wesentlichen Beitrag zur klinischen Entscheidungsfindung. Knapp zwei Drittel aller Diagnosen basieren auf Ergebnissen der Labormedizin. Dieser Bereich verlangt höchste Präzision, modernste Technologie und ein perfekt abgestimmtes Team – Anforderungen, die zugleich das enorme Verantwortungsfeld verdeutlichen.
Bei allen Zahlen und Fakten, die im Rahmen der Labordiagnostik ermittelt und zusammengetragen werden, zählt für Prof.in Baumann der Mensch. „Meine persönliche Maxime lautet: Hinter jeder Probe, die wir bearbeiten, steht ein Mensch. Ein Mensch mit Hoffnungen, Sorgen, Nöten und auch Ängsten. Dieses Bewusstsein prägt meine Haltung und mein tägliches Handeln als Führungskraft.“
Ein weiterer Aufgabenbereich des Instituts ist das Management der im Pyhrn‑Eisenwurzen Klinikum eingesetzten Blutkonserven. Die niedrige Verwurfrate der Blutkonserven zeigt auf besondere Weise wie umsichtig und effizient dieses kostbare Gut dort eingesetzt wird.
Pionierin mit Weitblick
Als eine der ersten Frauen in einer institutsleitenden Funktion innerhalb der OÖG hat Prof.in Prim.a Dr.in Gabriele Baumann über viele Jahre maßgebliche Akzente in der Weiterentwicklung der Labordiagnostik gesetzt. Unter ihrer Führung wurden entscheidende Modernisierungsschritte realisiert – insbesondere die konsequente Automatisierung zentraler Laborprozesse, die sie mit großer fachlicher Weitsicht und organisatorischer Stärke vorangetrieben hat. Unter ihrer Führung wurden diagnostische Schwerpunkte etwa in der Leukämiediagnostik, der Autoimmunanalytik und in molekularbiologischen Verfahren konsequent ausgebaut. Gerade im onkologischen Bereich, der Mutationsdiagnostik im peripheren Blut, setzt sie Maßstäbe und baut diese sukzessive und weiter aus.
Auch im Bereich Qualitätssicherung setzt das Institut Maßstäbe: Es ist seit vielen Jahren nach der internationalen Norm ISO 9001 zertifiziert und arbeitet aktuell an der Akkreditierung nach ISO 15189, der internationalen Akkreditierungsnorm für medizinische Laboratorien.
Vorbilder schaffen Zukunft
Schon jetzt sind 55 Prozent der Führungskräfte in der OÖG weiblich. Möglich wird dies unter anderem durch eine Reihe von Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern und Frauen langfristig in ihrer Karriereentwicklung unterstützen. Dazu zählen insbesondere betriebseigene Kinderbetreuungsangebote, flexible Arbeitszeitmodelle, gezielte Weiterbildungsprogramme sowie strukturelle Rahmenbedingungen, die eine echte Chancengleichheit ermöglichen.
In ihrer Rolle als Frau in einer Führungsposition richtet Prof.in Baumann einen klaren Appell an junge Frauen: „Traut euch – habt Mut. Sucht euch Verbündete, bildet euch kontinuierlich weiter und vertraut auf die eigene Expertise. Resilienz ist heute wichtiger denn je, denn Führung bedeutet auch, mit Herausforderungen souverän umzugehen. Baut eure Kompetenz sowohl fachlich als auch menschlich Schritt für Schritt auf. Wer beides vereint, setzt sich durch.“
Prof.in Baumann zeigt mit ihrem beruflichen Werdegang, ihrer Führungsstärke, ihrer wissenschaftlichen Exzellenz sowie ihrer äußerst empathischen Art, was möglich ist. Sie macht jungen Frauen Mut, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Dabei fördert sie aktiv Mitarbeiterinnen darin, schrittweise mehr Verantwortung zu übernehmen – etwa durch die Leitung einzelner Laborbereiche (z. B. Bereichsverantwortungen), das Absolvieren von Zusatzausbildungen wie der Praxisanleitung, die Teilnahme an Forschung und Entwicklung sowie das wissenschaftliche Publizieren. Zudem motiviert sie junge Kolleginnen, Fort- und Weiterbildungen wahrzunehmen, um die eigene Kompetenz und Expertise kontinuierlich auszubauen.