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Welttag der Händehygiene: Zwischen Türgriff und Alltag - Die Bedeutung sauberer Hände

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Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum / 29.04.2026  
Portraitfoto Pollheimer
OÄ Dr.in Verena Pollheimer
Hände beim Händewaschen
Händewaschen – einfach, aber wirkungsvoll

Am 5. Mai findet der internationale Tag der Händehygiene – initiiert von der WHO – statt. Gerade während der Pandemie stand die Händehygiene besonders im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Händewaschen wurde zum festen Ritual, Desinfektionsspender zu selbstverständlichen Begleitern im Alltag. Was vielen dabei erstmals bewusst wurde, unsere Hände sind einer der wichtigsten Übertragungswege für Krankheitserreger und zugleich ein wirkungsvolles Instrument, um genau diese Übertragung zu verhindern.

Menschliche Hände sind alles andere als „leer“, wenn es um die mikrobiologische Betrachtung geht. Auf jeder Hand befinden sich je nach Umgebung und Situation tausende bis Millionen von Mikroorganismen. Die meisten davon sind harmlos und gehören zur natürlichen Hautflora, die uns sogar schützt. Gleichzeitig sammeln unsere Hände im Laufe eines Tages ständig neue Keime ein. Dies geschieht beim Öffnen von Türen, beim Festhalten an Geländern, beim Bezahlen mit Bargeld, beim Tippen am Smartphone oder beim Kontakt mit anderen Menschen. Zudem fassen wir uns unbewusst mehrmals pro Stunde ins Gesicht. Genau hier entsteht einer der klassischen Übertragungswege.

Unser Immunsystem ist trainiert mit Keimen umzugehen 

Unser Immunsystem ist darauf ausgelegt, mit Keimen umzugehen. Händehygiene verfolgt daher kein Ziel der „Keimfreiheit“, sondern dient dazu, Infektionswege zu unterbrechen. Dies gilt insbesondere nach bestimmten Situationen wie dem Heimkommen, vor dem Essen oder nach dem Toilettengang. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich so das Risiko für Infektionen deutlich reduzieren.

Händehygiene ist damit weit mehr als eine Gewohnheit aus Pandemiezeiten. Sie ist eine grundlegende, effektive Vorsorgemaßnahme im Krankenhaus ebenso wie im ganz normalen Alltag. Warum saubere Hände eine so große Wirkung haben, worauf es wirklich ankommt und wie Händehygiene ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann, erklärt OÄ Dr.in Verena Pollheimer, Leiterin der Zentralen Ambulanz in Steyr und hygienebeauftragte Ärztin, im folgenden Interview. 

Interview

Frau OÄ Dr.in Pollheimer, warum ist Händehygiene aus medizinischer Sicht so zentral?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Unsere Hände sind der häufigste Kontaktpunkt zwischen Mensch und Umwelt. Sie übertragen Mikroorganismen nicht nur auf Oberflächen, sondern auch direkt auf sensible Eintrittsstellen wie Mund, Nase oder Augen. Aus Sicht der Hygiene ist Händehygiene deshalb einer der effektivsten Hebel, um Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen – unabhängig davon, ob es sich um banale Infekte oder schwerwiegendere Erkrankungen handelt.

Viele Menschen verbinden Händehygiene vor allem mit dem Krankenhaus. Warum ist sie dort besonders wichtig?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

In medizinischen Einrichtungen treffen besonders viele Faktoren zusammen. Vulnerable PatientInnen, invasive Eingriffe und ein hohes Aufkommen an Keimen. Hände sind hier das wichtigste Bindeglied zwischen PatientInnen, Personal und Umgebung. Gerade deshalb ist konsequente Händehygiene eine der zentralen Säulen der PatientInnensicherheit und ein wesentlicher Bestandteil professioneller medizinischer Arbeit.

Warum endet die Bedeutung der Händehygiene nicht an der Krankenhaustür?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Weil dieselben Übertragungsmechanismen auch im Alltag wirken. Ob im öffentlichen Verkehr, beim Einkaufen, im Büro oder in der Freizeit - überall berühren viele Menschen dieselben Flächen. Händehygiene ist daher kein Spezialthema für den Gesundheitsbereich, sondern eine grundlegende Gesundheitsmaßnahme für alle Lebensbereiche. 

Welche Rolle spielen dabei alltägliche Gegenstände wie Türklinken, Geländer oder Bargeld?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Diese sogenannten „High-Touch-Oberflächen“ werden häufig und von vielen Menschen berührt. Dass sich dort Keime finden, ist völlig normal. Entscheidend ist nicht das Vorhandensein von Mikroorganismen, sondern der bewusste Umgang damit. Händehygiene verhindert, dass diese Keime von der Hand auf das Gesicht oder auf andere Personen übertragen werden.

Es ist oft von Bakterien und Viren die Rede. Müssen wir uns davor im Alltag fürchten?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Nein. Der überwiegende Teil der Mikroorganismen ist harmlos oder sogar nützlich. Unser Immunsystem ist darauf ausgelegt, täglich mit Keimen umzugehen. Händehygiene bedeutet nicht „Keimfreiheit“, sondern eine gezielte Reduktion von krankmachenden Erregern in bestimmten Situationen. Es geht um Prävention, nicht um Angst.

Welche Alltagssituationen sind aus hygienischer Sicht besonders relevant?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Nach dem Nachhausekommen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Husten oder Niesen und nach Kontakt mit viel berührten Oberflächen. In diesen Momenten ist Händehygiene besonders sinnvoll, weil sie das Risiko einer ungewollten Übertragung deutlich senkt

Was macht gutes Händewaschen wirklich wirksam?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Die Gründlichkeit und die Dauer. Mindestens 20 bis 30 Sekunden, mit Wasser und Seife, inklusive Daumen, Fingerzwischenräumen und Fingerkuppen. Dabei muss es nicht zwingend Warmwasser sein. Aber, Wasser allein reicht nicht, erst durch die Kombination mit Seife werden Keime effektiv entfernt. 

Wann ist Händedesinfektion sinnvoll und wann nicht zwingend notwendig?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Händedesinfektion ist vor allem dort wichtig, wo kein Wasser zur Verfügung steht oder in medizinischen Bereichen mit erhöhtem Risiko. Im normalen Alltag ist gründliches Händewaschen meist ausreichend. Entscheidend ist, die Maßnahme dem jeweiligen Umfeld anzupassen.

Hat die Pandemie den Umgang mit Händehygiene nachhaltig verändert?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Ja, eindeutig. Viele Menschen haben gelernt, bewusster mit ihren Händen umzugehen. Diese erhöhte Aufmerksamkeit ist eine der positiven Lehren aus dieser Zeit. Wenn sie im Alltag beibehalten wird, kann sie langfristig dazu beitragen, Infektionskrankheiten zu reduzieren.

Ihr abschließender Appell?

OÄ Dr.in Verena Pollheimer:

Händehygiene ist eine kleine Handlung mit großer Wirkung. Wer sie selbstverständlich in den Alltag integriert, schützt nicht nur sich selbst, sondern übernimmt auch Verantwortung für andere. Gute Händehygiene braucht nur ein wenig Aufmerksamkeit im richtigen Moment. Sie ist ein leiser, aber wirkungsvoller Begleiter im Alltag, der Gesundheit schützt, ohne den Alltag zu belasten und kann auch schon den Kleinsten beigebracht werden. Saubere Hände sind für mich immer ein kleines Zeichen von Achtsamkeit im Umgang miteinander. 

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