In heißen Sommermonaten leiden besonders viele Menschen unter geschwollenen Füßen und Beinen, darunter auffällig viele Frauen. Meist ist das nur unangenehm und regelmäßige Bewegung und vor allem Ruhe verschaffen Linderung. Doch hinter den Beschwerden kann auch eine ernste Erkrankung stecken. Bei wiederholtem und anhaltendem Auftreten ist eine medizinische Abklärung unbedingt ratsam.
Viele kennen das: Man kommt nach einem langen Tag mit geschwollenen, schweren Beinen nach Hause und handelt instinktiv richtig, indem man die Füße hochlagert.
Besonders im Sommer kommt es verstärkt zu diesen unangenehmen Beschwerden, für die meistens die Beinvenen verantwortlich sind. Sie treten bei Hitze noch stärker als sonst hervor, weil dadurch der Körper zum Temperaturausgleich mehr Wärme nach außen abgeben kann. „Die Hitze führt zu einer Erweiterung der Gefäße, das Blut zirkuliert dadurch langsamer und die Venen werden durchlässiger. Im umgebenden Gewebe können sich dadurch vermehrt Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme, bilden, die die Beine anschwellen lassen“, erklärt Prim. Dr. Bernhard Mayr, der Leiter der Inneren Medizin im Salzkammergut Klinikum Gmunden.
„Auch Blutdruckmedikamente, die als Calciumantagonisten bezeichnet werden, können beidseitige Knöchelödeme verursachen“, so der Internist weiter. Häufig entstehen Ödeme in den Beinen auch während einer Schwangerschaft. Manchmal sind die Beschwerden auch die Folge eines Lipödems, einer Wasseransammlung im Fettgewebe.
Schwellungen verhindern und lindern
„Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen, zwischendurch die Schuhe auszuziehen, die Beine hochzulegen und sie mit kalten Güssen, Fußbädern oder kühlenden Auflagen zu beruhigen. Das beste Mittel gegen geschwollene Beine ist aber ausreichend Bewegung. Schon nach wenigen Schritten zirkuliert das Blut wieder schneller durch die Venen, die Schwellungen klingen ab und die Beine fühlen sich leichter an. Noch wirksamer ist es, wenn man sich täglich einige Minuten Zeit für Fuß- und Beingymnastik nimmt und sich im Alltag möglichst viel bewegt, etwa die Stiegen anstelle des Aufzugs nimmt und auch längere Strecken zu Fuß geht“, erklärt Prim. Bernhard Mayr.
Damit Bein- und Fußschwellungen möglichst gar nicht entstehen, empfiehlt Mayr zudem leichte Kost mit einem hohen Gemüseanteil, da auch Übergewicht den Körper für Schwellungen anfällig macht. Alkohol sollte möglichst tabu sein und Schuhe mit hohen Absätzen sollten im Schrank bleiben. Besser sind flache Schuhe beziehungsweise im Sommer offene oder einfach mal gar keine Schuhe. Wer beruflich viel steht oder sitzt, sollte zwischendurch immer wieder bewusst einige Schritte gehen und – wie es auch bei längeren Flugreisen empfohlen wird – Kompressionsstrümpfe tragen.
Dicke, schwere Beine können auch durch Krankheit entstehen
Schwellen Füße und Beine regelmäßig an, könnte eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken. Besenreiser und Krampfadern sind zum Beispiel Anzeichen für ein Venenleiden – besonders dann, wenn auch eine Schwellung besteht, die länger als einen Tag anhält und von Hautveränderungen und Schmerzen begleitet wird. Auch eine Erkrankung von Herz, Nieren, Leber oder Schilddrüse ist möglich. Für die Diagnose ist unter anderem wichtig, ob nur ein Bein, ein bestimmter Bereich oder beide Beine betroffen sind. Treten die Schwellungen einseitig auf, handelt es sich vielleicht um Durchblutungsstörungen oder erkrankte Lymphgefäße. Betreffen die Probleme beide Beine, weist das eher auf eine Erkrankung der Organe hin. Auch Lipödeme verursachen meistens beidseitige Beschwerden. Weil die in Frage kommenden Ursachen für geschwollene Beine so unterschiedlich wie auch potenziell gefährlich sein können, sollten Betroffene bei wiederkehrenden und anhaltenden Problemen unbedingt ärztlichen Rat einholen. In der Regel sind HausärztInnen dabei die ersten Ansprechpersonen.